Der Natya-Yoga im Kontext des Integral-Yoga
"I have
beat swift harmonies of rapture vast,
Danced
in spontaneous measures of the soul
The
great and easy dances of the gods."
Sri Aurobindo, SAVITRI, Book XI Canto I
Der integrale
Yoga Sri Aurobindos ist kein starres Dogma, sondern ein lebendiger Prozess;
ein selbst evolvierendes Mem, welches die weiteren Ausdifferenzierungen,
Weiterentwicklungen und fortschreitenden Verwirklichungen zu integriern
vermag.
Der Integral-Yoga
beinhaltet im heutigen 21. Jahrhundert u.a. die Erweiterungen durch die
Forschungsarbeit und Verwirklichungen Mira Alfassas im Yoga der Zellen
oder auch den Aspekt des Natya-Yoga, auf den wir hier etwas näher
eingehen wollen.
Der Natya-Yoga
ist kein eigenständiges Yoga-System, sondern ein weiter ausdifferenzierter
Aspekt und Konkretionspunkt des Integral-Yoga
- speziell innerhalb des bhakti-yoga. Weiter
besteht
eine große Nähe zur ekstatischen Tradition der Vaishnavas
und Shaktas
(shakti-yoga). Der sakrale Tanz ist eine Form der Lobpreisung des Höchsten,
der integralen Anbetung des Geliebten und die Aspiration des Leibes für
das Göttliche - "the call from below".
Ziel der
Natya-Yoga-sadhana,
d.h. der Praxis in einem konkreten Hier und Jetzt, ist die Einung mit dem
Absoluten (purushottama-yoga), wobei der TANZ (Sanskrit: natya)
hierzu als Vehikel (Sanskrit: yana) dient . Hierzu schreibt Sri
Aurobindo in der
Synthese des Yoga: "Dennoch ist das, was Wahnsinn
zu sein scheint, Weisheit im Wirken, die das Mental nur durch die Freiheit
und den Reichtum ihrer Inhalte und durch die unendliche Kompliziertheit
bei fundamentaler Einfachheit ihrer Abläufe verwirrt. Aber das ist
die eigentliche Methode des Herrn der Welten, und keine intellektuelle
Erklärung kann ihre Tiefe ausloten. Auch das ist ein Tanz, ein Wirbel
mächtiger Energien. Der Meister dieses Tanzes hält die Energien
fest in der Hand und bewahrt sie so in der rhythmischen Ordnung in den
von ihm selbst vorgezeichneten harmonischen Kreisen seines rasa-lila,
seines Spiels unendlicher Liebe."
Der yogische
Tanz ist, neben den auch vitalen und mentalen Transformationensaspekten,
primär ein intensiver physischer Läuterungsprozess, der weit
über die Ansätze des traditionellen Hatha-Yoga hinausgeht. Beim
Natya-Yoga handelt es sich vielmehr um eine tantrische Yoga-Praxis
(natyayana), die neben dem nötigen Wissen nur in Kontext der
Lebens-sadhana des Integral-Yoga zur vollen Entfaltung kommen kann.
Denn die SHAKTI ist der Ursprung dieser Yoga-Bewegung und die Selbstorganisationskraft
des spirituellen Tanzes. Sie ist es, die den sadhak in der Tanz-sadhana
bewegt
und tanzt.
Auf längere
Sicht ist der Natya-Yoga auch eine wirkungsvolle Methode zur Arbeit an
der Leibesplastik und zur Ausgestaltung eines integralen Leibes. Erinnern
wir uns an den richtungsweisenden Ausruf Der Mutter vom 31.5.1969: "Das
Heil ist physisch!"
Das höchste Ideal ist das integral geläuterte und transformierte Wesen, das sich selbst als die Neue Materie schaut und wahrt - das Wahrheitswesen (HARA-GAURI )
"In den Künsten soll der Yogin nicht nur sein ästhetisches Empfinden, sein Mental und Vital befriedigen. Vielmehr soll er das Göttliche Wesen überall schauen und es dadurch verehren, dass er die Bedeutung der göttlichen Werke offenbart und jenen Einen zum Ausdruck bringt, der Gott ist in und über den Göttern, Menschen, Kreaturen und Dingen." (Sri Aurobindo, Die Synthese des Yoga).
Der Flux-Tanz
ist die integral-künstlerische Ausdrucksform des Natya-Yogin als Objektivierung
des inneren Erlebens und zur Aufhellung des Menschen hinsichtlich seines
wahren Selbsts. Der Tanz des Natya-Yogin ist jedoch vor allem eine MANTIK,
d.h. der Ausdruck einer Schauung (mántis, griech.: der Seher)
durch den Leib (griech.: soma). Daher kann man das Wesen des authentischen
Natya-Yoga-Ereignisses als SOMANTIK bezeichnen, d.h. ein Wahrheitsausdruck
durch die Poesie der tänzerischen, körpersprachlichen Ästhetik.
Aus einer
integral-naturwissenschaftlichen Perspektive kann die Natya-Yoga-sadhana
als ein ForschungsTanz,
als noosomatische Phänomenologie (NSP)
und eine integrale Heuristik für den bewussten Kontakt zur Urkraft
(superforce) definiert werden.
Zuletzt
sei in diesem Zusammenhang noch auf die unübertroffene Arbeit von
Ananda K. Coomaraswamy zur grundlgenden Philosophie des Natya-Yoga in seinem
brillanten Essay
The
Dance of Shiva hingewiesen.
"Each
act was a perfection and a joy.
Abandoned
to her rapid fancy's moods
And
the rich coloured riot of her mind,
Initiate
of divine and mighty dreams,
Magician
builder of unnumbered forms
Exploring
the measures of the rhythms of God,
At will
she wove her wizard wonder-dance,
A Dionysian
goddess of delight,
A Bacchant
of creative ecstasy."
The Glory of Life - Sri Aurobindo, SAVITRI, Book
II Canto III
OM MIRA
ANDREAS MASCHA, 2002